Das Angstparadox. Mehr Sicherheit = mehr Vertrauen?
Description
In einer angstgetriebenen Welt kann uns ausgerechnet Angst schützen. Denn Angst ist ein wichtiges Signal: Für alle, die spüren, dass etwas nicht stimmt. Und endlich verstehen wollen, warum das eine große Stärke ist.
Sicherheit ersetzt kein Vertrauen: Wenn uns immer mehr sozialtechnische Systeme schützen, absichern und Risiken minimieren, relativiert das die Bedeutung von Verbundenheit, Vertrauen und Verantwortung. Werden Ängste und Sorgen nicht verstanden, bleiben sie im System – und werden mit der Zeit zum Dauerzustand. Angst ist kein individuelles Defizit – sie ist ein Signal, das in neurodiversen Gesellschaften sehr unterschiedlich verarbeitet wird. Besonders betroffen sind neurodivergente Personen, deren Wahrnehmungs- und Regulationsweisen systematisch missverstanden werden.
„Never gonna give you up“ betrifft die informierten Ängste, die nicht überwunden oder therapiert werden sollten, weil sie als Seismograf unverzichtbar sind. Nicht Aufgeben heißt hier: neurodivergente Menschen nicht ausschließen, nicht normieren, nicht optimieren – weder im Bildungssystem und der Arbeitswelt noch in digitalen Öffentlichkeiten.
Speakers (1 speaker)
André Frank Zimpel
Psychologe & Professor mit dem Schwerpunkt "Lernen und Entwicklung"