Der algorithmische Blick und die neue Begehrensökonomie
Description
Was treibt uns an, Bilder zu posten? Dieser Vortrag argumentiert: Weil wir angesichts digitaler Medien vor einer neuen Begehrensökonomie stehen.
Vorherrschende Analysen vernetzter Bildkulturen folgen einem materialistisch-ökonomischen Paradigma, das die Verwurzelung in spätkapitalistischen Strukturen und die Steuerung quantifizierbaren Nutzerverhaltens erklärt. Doch diese Ansätze bleiben gegenüber den subjektkonstituierenden Dimensionen unzugänglich: Was uns zum Posten, Teilen und Liken (an)treibt, ist das strukturelle Begehren, uns mithilfe von Bildern zu konstituieren.
An dieser Stelle setzt der Vortrag an und verbindet Subjektkonstitution mit Bildmedien – ein im digitalen Kontext vernachlässigtes Feld. Die These lautet, dass die oft beschriebene Kolonisierung nicht nur Wahrnehmung und Aufmerksamkeit, sondern auch das Begehren selbst betrifft. Die digitale Sphäre schreibt sich in eine hyper-verstärkte Begehrensökonomie ein, die von einem algorithmischen „Blick“ orchestriert wird.
Speakers (1 speaker)
Marie-France Rafael
Professorin am Departement Fine Arts der Zürcher Kunsthochschule