Wie das Wachstum von KI den Aufbau einer beruflichen Identität durch das Schreiben verändert
Description
Schreiben war lange ein zentrales Werkzeug, um eigenständiges Denken, langfristige Lerneffekte und Zugehörigkeit zu entwickeln. Lernende nehmen durch das Schreiben nicht nur Inhalte mit, sondern finden auch heraus, wie sie sich als Teil einer Fach- und Berufswelt positionieren. Mit dem Einsatz generativer KI verändert sich diese Funktion grundlegend. Texte können ausgelagert, Prozesse verkürzt und Entscheidungen delegiert werden. Das wirft nicht nur Fragen nach Prüfungsformen auf, sondern berührt den Kern von (Weiter-)Bildung. Denn was passiert eigentlich mit beruflicher Selbstverortung, Verantwortung und der eigenen Stimme, wenn Schreiben nicht mehr selbst vollzogen wird?
Der Vortrag übersetzt aktuelle Forschung aus Schreibdidaktik, Bildungs- und Kulturforschung und KI-Diskursen in eine verständliche Perspektive und zeigt, wo KI sinnvoll unterstützen kann und wo sie Lernprozesse schwächt.
Der Vortrag plädiert für einen aufgeklärten Umgang mit KI, der nicht aufgibt, sondern befähigt. Bildung heißt hier, Räume zu schaffen, in denen Menschen mit Technologie lernen, denken, zweifeln und eine tragfähige berufliche Identität entwickeln.
Speakers (1 speaker)
Ema Jerkovic
Wissenschaftliche Mitarbeiterin