Was passiert mit unseren Geschichten, wenn die Politik kippt?
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Produktionen wie Schwarze Früchte und Sam – Ein Sachse standen exemplarisch für einen Aufbruch: In den vergangenen Jahren haben Serien und Filme mit marginalisierten Perspektiven an Sichtbarkeit gewonnen und dabei Themen, Narrative und Stimmen in den Mittelpunkt gerückt, die lange unterrepräsentiert waren.
International ist der Diversity-Rollback schon längst in vollem Gange. Disney entfernte 2025 die Begriffe „diversity", „inclusion" und „DEI" vollständig aus seinem Jahresbericht, Paramount kündigte an, DIE-Bemühungen zurückzufahren. Doch auch in Deutschland bröckelt das Commitment. Während das Wegfallen vieler verbindlicher Maßnahmen zum Thema Diversität im neuen Filmfördergesetz in der Branche auf breite Kritik stieß, fordert die AfD-Fraktion gar, Fördermittel von Zielen wie Diversität und Geschlechtergerechtigkeit gänzlich zu entkoppeln – dies sei „ideologische Gängelung". Verschieben sich Förderentscheidungen, Plattformlogiken gemeinsam mit den politischen Mehrheiten?
Was bedeutet das konkret für Inhalte, die entwickelt werden, für die Besetzungsentscheidungen, die bereits im Casting über Sichtbarkeit entscheiden, für queere Erzählräume, die institutionell erst spät erkämpft wurden? Und was passiert, wenn rechtspopulistische Parteien in Landesregierungen kultur- und medienpolitische Verantwortung übernehmen – droht eine Verschiebung hin zu nationalistischen Narrativen, und welche impliziten Anpassungszwänge entstehen für Autor*innen, Produzent*innen und Förderinstitutionen?
Das Panel bringt unterschiedliche Positionen zusammen: die Erfahrungen aus dem Entstehungsprozess von Produktionen, den Blick auf Casting als wichtige Instanz für vielfältige Repräsentation, Perspektiven auf Förderstrukturen und deren Gefährdung sowie die kritisch-politische Einordnung aus journalistischer Außenperspektive. Gemeinsam verhandeln sie, wie sich die Branche strategisch, solidarisch und künstlerisch positionieren kann, bevor sich die Handlungsspielräume weiter verengen.
Diese Session findet im Rahmen des Programm-Specials ON SCREEN statt.
Speakers (4 speakers)
Lamin Leroy Gibba
Schauspieler & Autor
Matthias Dell
Film- und Medienkritiker
Sheri Hagen
CEO
Tyron Ricketts
Geschäftsführer